Geschichte

Geschichte der Propstei Clarholz

Die benachbarten Klöster Clarholz und Lette gehen auf denselben Stiftungsvorgang im Jahre 1133 durch Rudolf von Steinfurt zurück. Es handelte sich bei ihnen um ein typisches Prämonstratenser-Doppelkloster: Während sich die Chorherren in Clarholz ansiedelten, zogen die Chorfrauen ins 3 Kilometer entfernte Lette; 1134 erfolgte die kaiserliche und bischöfliche Bestätigung. 1146 erhielt das Kloster auch eine päpstliche Bestätigung durch Eugen III., die 1231 durch Gregor IX. erneuert wurde.

Nach Fertigstellung der Stiftskirche in Clarholz wurde diese im Jahre 1175 durch Bischof Arnold von Osnabrück geweiht, der sie auch zur Pfarrkirche erhob und die Prämonstratenser mit der Seelsorge beauftragte. Die Betreuung der Christen in Beelen war den Chorherren schon einige Jahre zuvor anvertraut worden; spätestens seit 1146 war diese Gemeinde eine dem Kloster Clarholz inkorporierte Pfarrei.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Stiftes war gut und schlug sich in einer regen Bautätigkeit nieder. So wurde in den Jahren 1320/ 1330 die romanische Basilika zur gotischen Hallenkirche umgebaut; aus dieser Zeit stammt auch die kleine Angelus-Glocke, die noch heute die Gläubigen zum Gebet ruft und eine der ältesten Glocken Westfalens ist. Von besonderem Wert sind die Gewölbemalereien aus der Zeit des Umbaus.

Die Disziplin bot im Spätmittelalter Anlass zu Klagen. Äußere Belastungen, insbesondere die lippisch-tecklenburgische Fehde mit einer Brandschatzung 1437, kamen hinzu. Der Konvent blühte erst wieder auf, als zwei Marienfelder Zisterzienser im Jahre 1439 auf Intervention des Baseler Konzils die Stiftsleitung übernommen hatten.

Zu Beginn der Reformationszeit stellte sich Clarholz in einem verhältnismäßig guten Zustand dar, während sich grobe Verstöße gegen die Ordensregel erst nach 1566 häuften. Im 17. Jahrhundert kam es, vor allem auf Betreiben auswärtiger Mitbrüder aus Knechtsteden und Steinfeld, zu einer allmählichen Rezeption der Reformen des Trienter Konzils und damit zu einem erneuten Aufschwung im geistlichen Leben des Klosters: 1680/1685 wirkte der bekannte religiöse Schriftsteller Leonhard Goffiné, Prämonstratenser der Abtei Steinfeld in der Eifel, als Seelsorger in Clarholz. 1693 wurde der 34jährige Elbert von Kückelsheim Propst von Clarholz; er ließ in seiner Regierungszeit (er starb am 10. Mai 1750 im Alter von 91 Jahren) die Propstei, den Wirtschaftshof, die Klosterpforte, Altäre und Orgel der Stiftskirche und die Pfarrhöfe in Lette und Beelen neu erbauen. 1788 kam es zur Einrichtung eines Hausstudiums mit Bibliothek und zur Rezeption von Ideen der Aufklärung. Propst Jodokus van Oldeneel (1794-1832) zeichnete sich besonders durch seine Gastfreundschaft aus, indem er zwölf Emigranten dauerhaft in die Hausgemeinschaft aufnahm (darunter acht Prämonstratenser), die vor der Revolution in Frankreich geflüchtet waren.

Der drohenden Säkularisation suchte der Konvent durch ein beim Reichshofrat in Wien angestrengtes Verfahren zu entgehen, musste das Kloster am 27. Oktober 1803 aber dennoch verlassen – gezwungen durch preußisches Militär, das der Graf von Bentheim-Tecklenburg dazu geordert hatte. Nach der Aufhebung wurden die Kreuzgänge, das Kapitelhaus und weitere Gebäude abgebrochen.

Die Klosterkirche blieb katholische Pfarrkirche; um 1895 kam es zu neugotischen Veränderungen an den Fenstern und an der Ausstattung. So wurde die barocken Altäre entfernt. Das Konventshaus dient heute als Wohnung des Pfarrers und als Gemeindezentrum. Die Propstei und die ehemaligen Wirtschaftsgebäude sind Eigentum des Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg. Dort befindet sich auch der Kapitelsaal, der für kulturelle Veranstaltungen (z.B. Konzerte; er verfügt über ca. 100 Plätze) genutzt wird und besichtigt werden kann. Die ehemalige Zehntscheune wird heute als Begegnungsstätte und als Kindergarten genutzt.

1996 kam es zur Gründung des Vereins „Freundeskreis Propstei Clarholz e.V.“, der sich die Restaurierung und Pflege der Klosteranlage zur Aufgabe gemacht hat und sie einer angemessenen Nutzung zuführen will. Erste Erfolge der Vereinsarbeit stellt die Katalogisierung und Wiederaufstellung der Klosterbibliothek dar (1996) und die am historischen Vorbild ausgerichtete Erneuerung der Klostergärten (1999-2003).

Propstei Clarholz Luftaufnahme

Patrozinium: St. Laurentius
Diözese: Paderborn, bis 1821 Osnabrück
Historische Zirkarie: Westfalen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen (D)
Heutiger Ortsname: Herzebrock-Clarholz,
Kreis Gütersloh
Gründung: 1133/1134
Aufhebung: 1803/1806